? ? ? FAQ ! ! !

Ist jeder Arbeitgeber zur psychischen Gefährdungsbeurteilung verpflichtet? Auch kleine Unternehmen?

Ja, sofern es mindestens eine/n Beschäftigte/n im Sinne des Arbeitsschutzgesetzes gibt.

 

Wer überwacht die Durchführung der psychischen Gefährdungsbeurteilung?

Die Überwachung des Arbeitsschutzes (also auch der psychischen Gefährdungsbeurteilung) ist staatliche Aufgabe (§ 21, ArbSchG). Je nach Bundesland sind Gewerbeaufsichtsämter, Ämter für Arbeitsschutz und Bezirksregierungen zuständig. In NRW sind es die Arbeitsschutzdezernate der Bezirksregierungen. Auch den Trägern der gesetzlichen Unfallversicherung kommen entsprechende Aufgaben zu (§§ 14 ff, SGB VII)

 

Wie muss eine psychische Gefährdungsbeurteilung durchgeführt werden?

Der Gesetzgeber lässt hier viel Spielraum. Je nach Unternehmensgröße und Art der Tätigkeit empfehlen sich Mitarbeiterbefragungen, Analyse-Workshops oder Beobachtungen durch Analyseteams. Ggf. macht es Sinn, verschiedene Methoden miteinander zu kombinieren.

 

Lässt sich psychische Belastung überhaupt "objektiv" messen? Je nach Persönlichkeit wird die doch sehr unterschiedlich empfunden. 

Bei der Gefährdungsbeurteilung wird der Arbeitsplatz betrachtet, nicht die Person, die ihn (derzeit) besetzt. Die Gemeinsame Deutsche Arbeitsschutzstrategie (GDA) benennt vier Bereiche, denen verschiedene Belastungsfaktoren zugeordnet sind. Sie gibt ebenfalls Hinweise darauf, wann eine Belastung zur Gefährdung wird (sog. kritische Ausprägung). Hier ein Beispiel: Bereich: Arbeitsorganisation, Belastungsfaktor: Arbeitszeit, kritische Ausprägung: unzureichende Pausen

 

Hat der Betriebsrat Mitbestimmungsrechte bei der Durchführung einer psychischen Gefährdungsbeurteilung?

Ja, hat er. Gesetzliche Grundlage ist § 87, Nr. 7 BetrVG.

 

Was mache ich, wenn ein Großteil meiner Beschäftigten nicht an einer Befragung teilnehmen will?

Überzeugen Sie sie! Wenn Sie Ihre Mitarbeiter/innen nicht für den Prozess gewinnen können, werden Sie keine repräsentativen Ergebnisse bekommen. Sie bleiben hinter den Möglichkeiten, die in diesem Prozess stecken, zurück. 

 

Mir graut vor den Maßnahmen! Da kommen wieder Forderungen, die ich als Arbeitgeber nicht erfüllen kann!

Ganz ohne Veränderung wird es vermutlich nicht gehen. Bei genauerer Betrachtung lassen sich aber Möglichkeiten finden, die für Ihre Mitarbeiter/innen (und damit letztlich für Ihr Unternehmen) hilfreich und für Sie machbar sind. Lassen Sie sich bei Bedarf beraten.

 

Muss ich als Arbeitgeber jetzt jede Befindlichkeit meiner Mitarbeiter/innen aufgreifen?

Nein. Bei der Gefährdungsbeurteilung geht es um gefährdende Aspekte, die mit dem Arbeitsplatz in Verbindung stehen, nicht um persönliche Befindlichkeiten. Kritische Ausprägungen sollten vorrangig dann zu verändernden Maßnahmen führen, wenn diese an einem maßgeblichen Prozentsatz der Arbeitsplätze festgestellt wurden.

 

Dann geht der Einzelne also in der Masse unter?

Nein, das sollte er nicht! Mein Tipp: sensibilisieren Sie Ihre Führungskräfte für das Thema "psychische Belastung am Arbeitsplatz". In Teamsitzungen und Mitarbeitergesprächen kann (und sollte) auf individuelle Belastungssituationen eingegangen werden.

 

Gibt es einen Mehrwert für mein Unternehmen?

Auf jeden Fall. Gesunde Menschen sind leistungsstark. Ihr Unternehmen gewinnt an Attraktivität. In Zeiten von Fachkräftemangel ein klarer Wettbewerbsvorteil!

 

Ich habe immer schon Wert auf gute Arbeitsbedingungen gelegt, mein Unternehmen ist gesund. Was bringt mir die Gefährdungsbeurteilung dann noch?

Nutzen Sie sie, um sich und Ihren Beschäftigten bewusst zu machen, auf welchen Kriterien Ihr gemeinsamer Erfolg beruht. Das gibt noch mal neuen Antrieb und die Möglichkeit, Ihre guten Rahmenbedingen auch zukünftig zielgerichtet zu gestalten.

 

Wie viel Zeit muss ich für eine psychische Gefährdungsbeurteilung einplanen?

Der zeitliche Aufwand hängt unter anderem von der Größe des Unternehmens ab und lässt sich somit nicht pauschal benennen. Grundsätzlich gilt: eine gute Vorbereitung und ein realistischer Ablaufplan sparen Zeit und Energie.

 

Kann ich als Arbeitgeber die Beurteilung der psychischen Belastung selbst durchführen, oder muss ich externe Anbieter beauftragen?

Grundsätzlich können Sie auch ohne externe Unterstützung arbeiten. Ob diese Variante im Einzelfall sinnvoll und möglich ist, hängt wesentlich von den im Unternehmen vorhandenen personellen Ressourcen und deren know-how ab.

 

Muss ich die Beurteilung der psychischen Belastung am Arbeitsplatz selbst konzipieren und durchführen, oder gibt es Experten, die ich beauftragen kann?

Es gibt Anbieter, die sich auf dieses Thema spezialisiert haben. Nach Bedarf können Sie sich beraten und unterstützen lassen.

 

Externe Berater kosten meist viel Geld. Vermutlich ist es doch günstiger, vorhandenes Personal mit dem Thema zu beauftragen.....oder?

Das kann durchaus sein. Insbesondere, wenn Sie personell so aufgestellt sind, dass zeitliche Ressourcen für die Erarbeitung und Umsetzung neuer Themen einkalkuliert sind. Für viele Arbeitgeber liegt die Lösung in der goldenen Mitte: Themenverantwortliche aus den eigenen Reihen, Fach- und Methodenexpertise punktuell "dazu kaufen".

Ihre Frage ist nicht dabei?  Und auch für andere relevant?  Dann nehme ich sie gerne auf!